Berlin ist laut, schnell, kreativ – und manchmal auch chaotisch. Ich liebe diese Stadt mit jeder Faser meines Herzens, aber gerade weil sie so vielseitig ist, birgt sie auch einige Fallstricke – besonders für Menschen, die zum ersten Mal herkommen. In diesem Beitrag teile ich meine ehrlichsten Sicherheitstipps, um dich vor unnötigem Stress, Abzocke oder sogar Gefahr zu bewahren.
Denn Berlin soll dich inspirieren, nicht überfordern.
1. 🎒 Achte auf deine Tasche – Taschendiebe sind nicht nur ein Klischee
Ich weiß, das klingt wie ein abgedroschener Spruch aus jedem zweitklassigen Reiseführer. Aber wenn man durch Berlin läuft, merkt man sehr schnell, dass dieser Ratschlag mehr als berechtigt ist. Vor allem an stark frequentierten Orten wie dem Alexanderplatz, dem Bahnhof Zoo, dem Hauptbahnhof oder in U-Bahnstationen wie Hermannplatz, Kottbusser Tor oder Warschauer Straße tummeln sich nicht nur Tourist*innen, sondern leider auch professionelle Taschendiebe.
Die Tricks sind dabei oft überraschend raffiniert: Ein kurzer Rempler im Gedränge, eine Karte, die dir unter die Nase gehalten wird, ein scheinbar hilfloser Mensch, der dich um Hilfe bittet – und während du abgelenkt bist, verschwindet dein Portemonnaie oder dein Handy wie von Zauberhand. Besonders beliebt bei den Dieben sind Rucksäcke, die man unachtsam auf dem Rücken trägt, sowie offene Handtaschen oder Smartphones, die halb aus der Gesäßtasche ragen.
Ich habe selbst beinahe einmal mein Portemonnaie verloren – und zwar in der U8, während ich über meine Kopfhörer Musik hörte und total versunken war. Ich hatte Glück: Eine aufmerksame ältere Dame hat mich auf einen Mann aufmerksam gemacht, der direkt hinter mir stand und eindeutig zu nah kam.
Mein Tipp: Trage deine Wertsachen immer eng am Körper. Ich nutze am liebsten eine Bauchtasche unter meiner Jacke oder eine Crossbody-Bag mit Reißverschluss, die ich vor dem Körper trage. Im Café stelle ich meine Tasche niemals auf den Boden, sondern hänge sie über mein Bein oder auf den Schoß. Und ich werfe regelmäßig einen Blick hinein – einfach, um sicherzugehen. Lieber ein bisschen übervorsichtig als in Erklärungsnot bei der Polizei.
2. 🚇 U-Bahn-Fallen: Nachts lieber nicht allein in leeren Waggons
Die Berliner U-Bahn ist im Prinzip ein großartiges Fortbewegungsmittel – schnell, direkt, günstig und rund um die Uhr im Einsatz. Doch besonders nachts ist Vorsicht geboten. Während die Tageszeiten meist harmlos sind, kann es ab etwa 22 Uhr – je nach Linie und Richtung – durchaus ungemütlich werden. Vor allem Linien wie die U8 oder U7 in Richtung Randgebiete haben einen schlechten Ruf, wenn es dunkel wird.
Ich erinnere mich noch gut an eine Situation in der U8 Richtung Hermannstraße. Es war ein Samstag kurz vor Mitternacht, und ich war auf dem Heimweg von einem Konzert. Im Waggon saß außer mir nur ein Mann, der deutlich betrunken war. Erst redete er laut mit sich selbst, dann fing er an, mich direkt anzusprechen – aggressiv, fordernd. Ich fühlte mich absolut unwohl. Als er aufstand und in meine Richtung ging, bin ich sofort ausgestiegen, obwohl es nicht meine Station war.
Mein Tipp: Suche dir immer einen Waggon mit anderen Fahrgästen – auch wenn das bedeutet, etwas länger zu warten. Am sichersten sitzt du in der Nähe der Fahrer*innenkabine oder dort, wo Kameras installiert sind. Die BVG-App ist ein echter Lebensretter: Dort siehst du Echtzeitdaten zu Verspätungen oder Ausfällen, aber auch, ob Störungen oder Bauarbeiten vorliegen. Ich plane meine Heimfahrten immer mit einem Blick in die App – sicher ist sicher.

3. 🎭 „Spendensammler“ oder „Taubstumme“ – Trickbetrug auf Berlins Plätzen
Kaum ist man aus der U-Bahn gestiegen und steht auf einem der bekannten Plätze wie dem Brandenburger Tor, dem Alexanderplatz oder vor dem Kaufhaus Alexa, dauert es nicht lange, bis man angesprochen wird. Junge Menschen – meist mit Klemmbrett in der Hand – lächeln freundlich, deuten auf eine Unterschriftenliste und behaupten, Spenden für wohltätige Zwecke zu sammeln. Oft geben sie sich als taub oder gehörlos aus, um Mitleid zu erwecken und deine Wachsamkeit zu senken.
Ich erinnere mich noch gut an eine Situation vor dem Berliner Dom: Ein netter, offenbar junger Mann hielt mir das Klemmbrett hin und „zeigte“ mir, dass er für ein Zentrum für Behinderte sammelt. Ich war skeptisch und lehnte ab. Kurz darauf sah ich ihn mit anderen agieren – sie lachten, zählten Geld und verschwanden schnell, als Polizisten in der Nähe auftauchten. Besonders tragisch war es, als ich mitansehen musste, wie ein älterer Tourist 20 Euro gab – mit ehrlichem Herzen, nur damit ein Komplize das Geld einsammelte und blitzschnell verschwand.
Mein Tipp: Sei freundlich, aber bestimmt. Sag einfach „Nein, danke“ und geh weiter, ohne Augenkontakt. Seriöse Organisationen erkennt man in Berlin fast immer an offiziellen Ständen, Logos auf der Kleidung, Informationsmaterial und versiegelten Spendendosen mit Plombe. Wer wirklich helfen möchte, kann gezielt an vertrauenswürdige Stellen wie das Rote Kreuz oder die Berliner Tafel spenden – nicht auf der Straße.
4. 💸 Wechselstuben meiden – Bargeld abheben mit Bedacht
Du brauchst Bargeld? Bitte geh nicht in die nächste Wechselstube oder nutze die auffälligen Automaten mit „Cash“ in Neonbuchstaben. Diese Automaten verlangen oft horrende Gebühren oder geben dir schlechte Kurse.
Ich habe einmal testweise 50 € abgehoben und wurde mit 7,50 € Gebühr bestraft – ohne Hinweis im Voraus. Seitdem: Nur noch Bankautomaten.
Mein Tipp: Nutze Geldautomaten von bekannten Banken wie Sparkasse, Deutsche Bank, Commerzbank oder Berliner Volksbank. Noch besser: Bezahle so viel wie möglich mit Karte oder per Apple/Google Pay – in Berlin fast überall möglich.
5. 🛴 E-Scooter = Freiheit? Ja – aber mit viel Vorsicht
Sie stehen überall: E-Scooter von Tier, Bolt, Lime & Co. Praktisch, aber auch gefährlich. Viele Tourist*innen unterschätzen die Geschwindigkeit und die Berliner Verkehrssituation.
Ich bin selbst einmal gestürzt – nicht schlimm, aber schmerzhaft. Und teuer: 400 € Selbstbeteiligung für beschädigtes Gerät.
Mein Tipp: Immer beide Hände ans Lenkrad, nicht zu zweit fahren, nicht alkoholisiert. Helm? Pflicht für dich, auch wenn’s keiner sieht. Nutze gut bewertete Apps und fahre lieber tagsüber, nicht nachts über Kopfsteinpflaster.
6. 🚲 Radfahren in Berlin – mit Hirn und Helm
Berlin ist eine tolle Fahrradstadt – aber eben auch voll, laut und mit vielen ungeduldigen Autofahrer*innen. Ich fahre fast täglich Fahrrad, aber ich wähle meine Routen bewusst. Hauptstraßen wie die Karl-Marx-Straße oder Frankfurter Allee meide ich.
Mein Tipp: Nutze Routen-Apps wie Komoot oder Fahrradnetz Berlin (online), um grüne, entspannte Wege zu finden. Und: Trage IMMER Helm. Nicht nur für dich, sondern auch für deine Lieben, die dich so behalten wollen, wie du bist.
7. 🏨 Airbnb kann ein Reinfall sein – achte auf Bewertungen und Lage
Nicht jede günstige Unterkunft ist auch eine gute. Ich habe in Neukölln mal ein Airbnb mit Top-Bewertung gebucht – aber die Wohnung war nicht gereinigt, das Haus war laut, und nachts war ich nicht entspannt.
Mein Tipp: Schau dir Bewertungen genau an – nicht nur die Sterne, sondern auch die Kommentare. Achte auf die Lage: Nähe S-Bahn/U-Bahn ist gut, aber direkt an Partymeilen wie Revaler Straße oder Görlitzer Park kann laut und unangenehm sein.
Besser: Nutze Plattformen wie
Booking.com (mit kostenloser Stornierung),
SecretEscapes.de für 4- und 5-Sterne-Angebote oder
Expedia.de für Pakete mit Flug und Hotel.
8. 🍴 Touristenfallen beim Essen – Currywurst ist nicht gleich Currywurst
Direkt am Ku’damm oder am Fernsehturm wirst du viele Restaurants finden, die auf Touristen abzielen – mit hohen Preisen und mittelmäßigem Geschmack. Einmal zahlte ich 9 € für eine Currywurst mit matschigen Pommes.
Mein Tipp: Geh dahin, wo auch Berliner*innen essen. Meine Favoriten:
- Curry 36 (Mehringdamm)
- Markthalle Neun (Kreuzberg)
- NENI Berlin (Panoramablick inklusive!)
- Mustafa’s Gemüse Kebap (wenn du Geduld hast)
Reservierungen für gute Restaurants empfehle ich über OpenTable.de oder TheFork.de – dort gibt es auch oft Rabatte.
9. 💊 Medizinischer Notfall? Nicht jede Apotheke hat alles parat
In Berlin bekommst du nicht alles überall – besonders bei rezeptfreien Medikamenten kann es Engpässe geben. Ich hatte einmal ein Problem mit Migräne und musste drei Apotheken anlaufen.
Mein Tipp:
Nutze die App “Apothekenfinder 22 8 33” oder die Website apotheken.de für Notdienste. Und nimm immer eine kleine Reiseapotheke mit – besonders bei Allergien oder chronischen Beschwerden.
10. 🎫 Ticketkontrollen in der Bahn – kein Spaß
In Berlin wird oft kontrolliert, und Schwarzfahren ist kein Kavaliersdelikt. Ich habe erlebt, wie Touristen in Tränen ausbrachen, weil sie meinten, ihr Hotelvoucher sei ein gültiges Ticket. Ist es nicht.
Mein Tipp: Kaufe Tickets über die BVG-App oder die Automaten an den Bahnhöfen. Für mehrere Tage lohnt sich die Berlin WelcomeCard, buchbar über berlin-welcomecard.de, inkl. ÖPNV und Rabatte für viele Museen.

11. 🌙 Nachts unterwegs – vermeide einsame Parks und dunkle Ecken
Berlin ist keine gefährliche Stadt – aber auch keine komplett sichere. Nachts alleine durch den Görlitzer Park oder entlang des Landwehrkanals zu laufen, würde ich niemandem empfehlen.
Mein Tipp: Nutze nachts Taxis (z. B. über FREE NOW oder Uber) oder nimm den Nightliner der BVG. Im Zweifel lieber 10 € ausgeben als ein mulmiges Gefühl riskieren.
12. 📱 Digitale Sicherheit – WLAN-Fallen vermeiden
Viele Cafés bieten offenes WLAN – aber nicht alle sind sicher. Ich wurde einmal Opfer eines WLAN-Hijacks: jemand hat meine Daten abgefangen, als ich bei Starbucks Online-Banking machte.
Mein Tipp: Nutze nur sichere Netzwerke oder aktiviere ein VPN (z. B. über NordVPN, CyberGhost etc.), wenn du Bankdaten oder Passwörter eingibst. In Hotels ebenfalls Vorsicht.
🧭 Bonus-Tipp: Plane smart – aber bleib spontan
Zu guter Letzt: Plane deine Route, aber überlade sie nicht. Berlin ist zu groß, um alles in zwei Tagen zu schaffen. Lieber weniger sehen, dafür tiefer erleben.
Für Flug und Transport:
- Skyscanner.de – für günstige Flüge
- FlixBus.de – für günstige Reisen innerhalb Europas
- DeutscheBahn.de – besonders mit SuperSparpreis gut
- Lufthansa Holidays – für Premium-Reisepakete
Berlin kann laut, wild und überwältigend sein – aber es ist auch unfassbar faszinierend, inspirierend und lebendig. Wenn du deine Reise mit offenen Augen, ein bisschen Vorsicht und der richtigen Vorbereitung angehst, wirst du diese Stadt mit deinem Herzen erleben – nicht mit deinem Geldbeutel oder einem Polizeibericht.
Bleib neugierig, bleib achtsam – und Berlin wird dir mehr zurückgeben, als du erwartet hast.